Wochenschau

 

Die politische Wochenschau

 

vom 14. bis 20. April 2001

Schlagzeilen der Woche   zusammengestellt von Christian Klee  

 

PDS peilt Regierungsbeteiligung im Bund an

UN-Menschenrechtskommission verurteilt Israel

Ethnisches Subproletariat in Hamburg

RZ-Schauprozeß vorerst geplatzt

BRD an US-Erdölimperialismus beteiligt

Mississippi behält Stars and Bars

Wieder albanischer Terror im Kosovo

85 Jahre Osteraufstand in Dublin

Großbritannien vor dem Zerfall?

20 Jahre Knast für Gerhard Schröder

40 Jahre kubanischer Sozialismus

Rassenunruhen nicht nur in den USA

Spannungen zwischen USA und China halten an

Mai-Rituale laufen an

Gewalt in Nordirland

Die Linke und der Globalisierungskapitalismus

 

 

Zitat der Woche:
"Wir pfeifen auf euer Europa! Wir pfeifen auf euer Vaterland, auf euer Christentum und eure Kultur, denn wir haben unter diesen euren Lügen zu viel Greuel, zu viele Verbrechen gesehen, als daß wir nicht wüßten: alles, was von euch kommt, ist Tod und Lüge! Alles, was ihr uns schenkt, ist Gift und Verrat!"
- Gustav Sondermann

 

In der PDS-Spitze ist ein Streit um eine mögliche Regierungsbeteiligung der Partei auf Bundesebene entbrannt. PDS-Fraktionschef Roland Claus bezeichnete die Übernahme von Regierungsverantwortung schon ab 2002 als unrealistisch. Dafür seien die inhaltlichen Differenzen seiner Partei zur SPD zu groß. Claus reagierte damit auf den von PDS-Bundesgeschäftsführer Dietmar Bartsch am Dienstag vorgestellten Entwurf der PDS-Wahlstrategie. "Der Spiegel" zitierte den stellvertretenden Parteivorsitzenden Diether Dehm mit dem Satz, seine Partei liebäugele nicht mit einem "Bräutigam, der Kriege führt und Arbeitslose zu Faulenzern erklärt". Andererseits warfen sich Parteichefin Zimmer und die Berliner Landesvorsitzende Pau der von dem bekennenden Sozialreaktionär und Unternehmerfreund Gerhard Schröder geführten SPD mittels einer Entschuldigungserklärung für die Verfolgung von oppositionellen Sozialdemokraten nach der Vereinigung der beiden Arbeiterparteien 1946 an den Hals. Die Kommunistische Plattform und weite Teile der Parteibasis reagierten mit einem Sturm der Entrüstung, da durch die Erklärung der gesamte Aufbau der antifaschistischen DDR beleidigt worden sei. Wir fügen hinzu: Der Aufbau eines in der Frühzeit im Gegensatz zum separatistischen Adenauer-Regime in Bonn durchaus gesamtdeutsch und national-neutralistisch orientierten "anderen Deutschland".

 

Der Arbeitsmarktbericht 2000 beziffert die Anzahl der arbeitslos gemeldeten Hamburger auf 72.000. Immerhin ist die Erwerbslosigkeit in der Hansestadt seit 1998 um 28,6 % zurückgegangen. Die Jugendarbeitslosigkeit fiel um 37 %, die Langzeitarbeitslosigkeit um 33 %.Nicht rückläufig ist hingegen die Zahl der arbeitslos gemeldeten Ausländer. Ende 2000 waren in Hamburg 15.650 ausländische Erwerbslose registriert, was 22,3 % aller Hamburger Arbeitslosen entspricht. Unter den Arbeitslosen sind Ausländer damit dreimal stärker vertreten, als es ihrem normalen Beschäftigungsanteil entsprechen würde. Jede fünfte Erwerbsperson ohne bundesdeutschen Paß in Hamburg ist arbeitslos.

 

An den Planungen der USA, eine westlich kontrollierte Pipeline durch den Kaukasus zu führen, scheint die Bundesregierung direkt beteiligt zu sein: Entwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul (SPD) stellte beispielsweise 100 Millionen DM zur Verfügung um die "regionale Stabilität" in den Kaukasusländern Georgien, Aserbaidschan und Armenien zu fördern. Ein weiteres Paket von 100 Millionen DM steht für 2002 bereit. Da der Bosporus in absehbarer Zeit für Supertanker nicht mehr passierbar sein wird, ist eine Fortsetzung der Erdölleitung von Bulgarien durch die albanischen Siedlungsgebiete in Südosteuropa geplant. Als letzte Etappe fehlt Mazedonien, aber hier wird die westliche Wertegemeinschaft wohl sehr bald in den von ihr vorbereiteten und geschürten Bürgerkrieg eingreifen.

 

Im Kosovo wurde bei Zuja an der Demarkationslinie zu Serbien ein russischer Soldat von albanischen Terroristen erschossen. Im Grenzgebiet zu Mazedonien fuhr eine britische Patrouille auf eine Panzermine, wobei ebenfalls ein Soldat ums Leben kam. In der Kosovo-Hauptstadt Pristina starb der Leiter der jugoslawischen Regierungsvertretung bei einem Bombenanschlag. Trotz mehrerer Warnungen aus jugoslawischen Sicherheitskreisen haben KFOR und UNMIK wie üblich nichts gegen die Pläne der albanischen Nationalisten unternommen. Nach Bekanntwerden des Anschlags kam es im serbischen Nordteil von Kosovska Mitrovica zu Straßenschlachten zwischen der aufgebrachten Menge und KFOR-Protektoratstruppen. Im serbischen Nis wurden zwei albanische Terroristen wegen des Massakers von UCK-Kämpfern an serbischen Bewohnern der Ortschaft Klecka sowie wegen Verschleppung und Vergewaltigung zu je 20 Jahren Haft verurteilt. In diesem Zusammenhang fiel auf, daß KFOR mit dem Norweger Thorstein Skiaker einen neuen Oberbefehlshaber hat. Sein italienischer Vorgänger wurde offensichtlich wegen Imkompetenz, Untätigkeit und stillschweigender Unterstützung der albanischen Ultranationalisten gefeuert. Albaniens Präsident Meidani erteilte allen großalbanischen Plänen eine deutliche Absage, legte zugleich aber ein Bekenntnis zur "europäischen Integration" ab. Einer Randbemerkung der "Berliner Zeitung" ist zu entnehmen, daß UNMIK klammheimlich eine Zollgrenze zwischen Serbien und dem Kosovo eingerichtet hat und damit faktisch die Trennung des UN-Protektorats vom jugoslawischen Staat einleitet.

 

Sir Richard Body, konservativer britischer Politiker und überzeugter Gegner der EU, prophezeite in einem jüngst veröffentlichten Buch die Auflösung des Vereinigten Königreiches. In Bodys Augen ist die Situation eines auf sich selbst gestellten England besser als derzeit. Vor allem das Ausscheiden Schottlands und Nordirlands aus dem britischen Staatsverband sei nur eine Frage der Zeit. Die konservative Parteiführung reagierte alles andere als begeistert, aber immerhin tritt auch Oppositionsführer Hague für eine verfassungsrechtliche Neuordnung des Vereinigten Königreiches ein. Die Abgeordneten aus Schottland, Wales und Nordirland sollen von Abstimmungen ausgeschlossen werden, die rein englische Angelegenheiten betreffen.

 

Die zunehmende weltpolitische Rivalität zwischen den USA und China wird illustriert durch die Lateinamerikareise des chinesischen Staatspräsidenten Jiang Zemin. Jiang bekundete seine Unterstützung für den "gerechten Kampf Kubas zur Erhaltung seiner staatlichen Souveränität, der nationalen Unabhängigkeit und gegen Einmischungen und Bedrohungen von außen". Nachdem bereits vor einigen Wochen Rußlands Präsident Putin mit Castro wirtschaftliche Kooperation vereimnarte, gewährt nun die VR China Kuba Kredite und Finanzhilfen in Höhe von 400 Millionen Dollar. Dieser Tage feierte Kuba den 40. Jahrestag der Verkündung der sozialistischen Ordnung sowie den 40. Jahrestag des Schweinebucht-Fiaskos, als die kubanischen Verteidiger den vom imperialistischen US-Präsidenten Kennedy geschickten Invasoren eine demütigende Niederlage beibringen konnten. Castros Bruder Raul warnte öffentlich, noch immer sei eine Invasion der Insel durch US-Truppen möglich. Der máximo lider fuchtelte in La Habana unter dem Jubel von Zehntausenden in einer seiner unnachahmlichen Posen mit einer Kalaschnikow herum und richtete die üblichen Warnungen an die Adresse Washingtons. Gerüchten zufolge soll der russische Auslandsnachrichtendienst auf Kuba eine aus sowjetischer Zeit stammende Abhörstation unterhalten, von der aus die Telekommunikation in den USA belauscht wird. Während die von der CIA ferngesteuerte Human Rights Watch die Menschenrechtsverletzungen in Kuba und China kritisierte, merkte der britische "Guardian" zynisch an, im Gegensatz zu George Bush lasse Fidel Castro allerdings keine Menschen mit dem geistigen Entwicklungsstand eines Siebenjährigen hinrichten.

 

Angesichts der Spannungen mit China hat die US Navy den Flugzeugträger KITTY HAWK mit 70 Maschinen nach Guam verlegt und erwägt eine Entsendung ins Südchinesische Meer. Ein Radarschiff ist bereits vor Ort, um die Bewegungen der chinesischen Luftwaffe zu verfolgen. Ein Plan, die Spionageflüge fortan mit Jagdschutz durchführen zu lassen, wurde gottlob zu den Akten gelegt. Sehr zum Verdruß der Hardliner auf beiden Seiten des Pazifik würden die wichtigen chinesisch-amerikanischen Wirtschaftsbeziehungen durch eine ernsthafte Verstimmung großen Schaden nehmen; Vertreter von US-Großkonzernen haben Bush bereits zur Mäßigung geraten. Im vergangenen Jahr erzielte die Volksrepublik aus ihren Exporten in die USA einen Überschuß von 83 Milliarden Dollar und hat Japan längst hinter sich gelassen. Auf der anderen Seite ist China gut beraten, die USA nicht zur Blockade der Aufnahme in die WTO oder gar der Bewerbung für die Olympischen Spiele zu provozieren. Via Internet kondolierten mittlerweile 20.000 Menschen der chinesischen Nachrichtenagentur Xinhua zum Tod des beim Hainan-Zwischenfall per Rammstoß von einer amerikanischen Spionagemaschine ermordeten Piloten Wang Wei. Chinesische Hacker eröffneten eine regelrechte Internetoffensive gegen den Militärisch-Industriellen Komplex in den USA. Unter anderem wurden auch zwei Homepages der Navy gehackt und mit antiimperialistischen Parolen versehen.

 

Wie bekannt wurde, überfielen vor 3 Wochen Angehörige der Ulster Young Militants, der UDA-Jugendorganisation, in Belfast einen protestantischen Zivilisten. Trevor Lowry wurde mit einem Katholiken verwechselt und nach einem Kneipenbesuch zu Tode geprügelt. Es handelt sich um den fünften von Loyalisten zu verantwortenden Mord seit Jahresbeginn. In North Belfast haben bewaffnete Einheiten der loyalistischen Miliz UDA die Kontrolle über das protestantische Tiger´s Bay-Viertel übernommen. Unbehelligt von Armee und Polizei patrouillieren die UDA-Paramilitärs an der Grenze zum katholischen New Lodge, um Übergriffe republikanischer Hardliner zu verhindern. Der örtliche UDA-Befehlshaber warnte öffentlich vor Zuständen, die dem offenen Bürgerkrieg der frühen 70er Jahre ähneln würden. Hintergrund ist die nicht zuletzt von Sinn Féin unterstützte Expansion des katholischen Stadtviertels in den loyalistischen Machtbereich. Die Führer der mit loyalistischen Paramilitärs verbundenen Parteien, David Ervine von der Progressive Unionist Party und Gary McMichael von der Ulster Democratic Party, erhielten unlängst Morddrohungen aus dem republikanischen Lager. Auf der Todesliste soll auch der inhaftierte UDA-Kommandant in der Shankill Road, Johnny Adair, stehen. Die in London operierende Active Service Unit der Real IRA verübte einen Bombenanschlag auf eine Briefsortierstelle der britischen Post im Nordwesten der Stadt. In einem Waldgebiet bei Belfast stellte die Polizei eine Autobombe mit 90 Kilogramm Sprengstoff sicher und machte sie unschädlich.

 

Die Lage im Nahen Osten verschärfte sich weiter. Nach Gefechten zwischen der von Syrien und dem Iran unterstützten Hizbollah-Miliz und israelischen Truppen flogen israelische Kampfflugzeuge einen Luftangriff auf eine syrische Radarstation im Libanon, bei dem drei Verteidiger den Tod fanden. Staffan De Mistura, UN-Repräsentant im Südlibanon, verurteilte die durch Israel begangene Verletzung der libanesischen Grenze. Syrien beharrte auf seinem Recht zur Selbstverteidigung und versetzte seine 30.000 im Libanon stehenden Soldaten in Alarmbereitschaft. Das Auswärtige Amt warnt offiziell vor Reisen in den Südlibanon und in die Palästinensergebiete, und das Pentagon prüft, ob es seine im Sinai stehenden Militärbeobachter abziehen wird. Nur auf massiven amerikanischen Druck brach Tel Aviv eine militärische Großoperation zur Wiederbesetzung der autonomen Palästinensergebiete im Gazastreifen ab. Der UN-Sicherheitsrat verurteilte das israelische Vorgehen in bestürzten Worten. Insider im Nahen Osten vermuteten bereits, es gehe der Regierung Sharon darum, Arafat erneut ins Exil zu treiben und die palästinensischen Autonomiestrukturen zu zerschlagen.

 

Die UN-Menschenrechtskommission in Genf hat die israelische Siedlungspolitik scharf verurteilt. Die jüdischen Siedlungen in den Autonomiegebieten seien illegal und ein Hindernis für den Frieden, sagte der schwedische UN-Botschafter Johan Molander. Für die von der Europäischen Union eingebrachte Resolution stimmten 50 der 53 Mitglieder der Kommission. Nur die USA stimmten dagegen. Costa Rica enthielt sich, der Vertreter der Demokratischen Republik Kongo war nicht anwesend. In zwei weiteren Entschließungen wurden auch das Vorgehen der israelischen Armee in den Palästinensergebieten und die andauernde Besetzung der syrischen Golanhöhen verurteilt

 

Der vor dem Berliner Kammergericht laufende und auf Aussagen eines Kronzeugen gestützte Schauprozeß gegen vier mutmaßliche Aktivisten der Untergrundgruppe Revolutionäre Zellen ist vorerst geplatzt. Das Verfahren wird mit der Verhandlung gegen den mutmaßlichen RZ-Kopf Rudolf Schindler verknüpft und soll am 17. Mai wieder aufgerollt werden. Gegen die seit über einem Jahr andauernde Untersuchungshaft der vier Angeklagten ist mittlerweile Verfassungsbeschwerde in Karlsruhe eingereicht worden. Die Vorwürfe gegen Schindler beruhen u.a. auf Falschaussagen des ehemaligen Terroristen Klein. Was von den Aussagen des Kronzeugen Tarek Mousli zu halten ist, verdeutlichen die Vorgänge um den Mord am hessischen Wirtschaftsminister Heinz Herbert Karry (FDP). Mousli bezichtigte Schindler und seine Mitkämpferin Sabine Eckle der Tat, aber ein Gutachten des LKA Hessen widerlegt seine Aussage eindeutig. Ferner kam das LKA zu dem Schluß, die Ermittlungen zum Karry-Mord seien überaus nachlässig durchgeführt und Beweismaterial vernichtet worden - ein Beleg dafür, daß Kary als eine Schlüsselfigur der Parteispendenaffäre 1981 von interessierten Kreisen aus dem Wege geräumt wurde, um einen unliebsamen Mitwisser zum Schweigen zu bringen.

 

Die Bürger in Mississippi haben sich bei einer Volksabstimmung entschieden, als einziger US-Bundesstaat das umstrittene Konföderierten-Emblem auf der Staatsflagge zu behalten. Das Emblem der im Bürgerkrieg konföderierten Südstaaten - ein diagonales blaues Kreuz mit 13 Sternen - gilt als Symbol von Sklaverei und Rassismus, aber auch von Freiheit und Individualismus im Gegensatz zum stumpfsinnigen Yankee-Maschinenmenschentum. Aus anderen Südstaaten wie Alabama, South Carolina und Georgia ist es verbannt worden.

 

In Dublin fanden getrennte Paraden zum 85. Jahrestag des Osteraufstandes statt. Sinn Féin konnte 500 Anhänger mobilisieren, die republikanischen Hardliner 100. Aktivisten der Real IRA marschierten in Uniformen der Rebellen von 1916 auf. Ihr Hauptredner war Francis Mackey, Vorsitzender 32 County Sovereignty Commitee. Mackey bekräftigte, man werde den Kampf fortsetzen, bis die britische Herrschaft in Irland gebrochen sei. Auf Feierlichkeiten in Galway und Headford sprach Ruairi O´Brádaigh, Vorsitzender von Republican Sinn Féin und erklärte das Karfreitagsabkommen für an seinen Widersprüchen gescheitert. Das Vertrag verspricht den Katholiken des vereinigte Irland und den Protestanten die Stärkung der britischen Herrschaft. In den Augen von RSF ist der Ausweg das Éire Nua-Modell, ein irischer Bundesstaat mit vier autonomen Provinzen, zu denen auch ein wiedervereinigtes Ulster mit allen 9 Counties zählt. Der Regierung in Dublin hielt O´Brádaigh vor, nicht nur Nordirland, sondern auch Irlands Neutralität, natürliche Ressourcen, wirtschaftliche Interessen und Kultur an ausländische Interessenten zu verkaufen. Der neue müsse wie der alte Imperialismus bekämpft werden. In Nordirland fungiere die IRA nicht mehr als Befreiungsarmee, sondern als Polizeitruppe der britischen Krone zur Unterdrückung der politischen Opposition. In Belfast sprach Des Long, Vizevorsitzender von RSF: Der bewaffnete Kampf für die nationale Freiheit Irlands sei noch lange nicht beendet. Zudem kündigte Long an, der in Maghaberry einsitzende Continuity IRA-Aktivist Tommy Crossan werde in West Belfast als Unterhauskandidat antreten.

 

Ein serbisches Kreisgericht in Belgrad verurteilte die westlichen Verantwortlichen für den Angriffskrieg der NATO gegen den jugoslawischen Staat als Kriegsverbrecher zu je 20 Jahren Haft. Neben Gerhard Schröder wurde auch gegen Bill Clinton und Javier Solana in Abwesenheit verhandelt. Die Anklage hielt dem Westen vor allem Luftangriffe auf nichtmilitärische Ziele vor. Der Richter ordnete die Vollstreckung der Haftbefehle an und schrieb die Delinquenten zur Fahndung aus.

 

Alle Welt schaute gebannt nach Cincinnati in die USA, wo es nach der Ermordung eines Schwarzen durch die Polizei zu schweren Rassenunruhen und der faktischen Verhängung des Ausnahmezustandes kam. Die Segnungen der multiethnischen Gesellschaft bleiben jedoch auch Europa nicht erspart: Im britischen Bradford, unter dessen 500.000 Einwohnern sich 97.000 Einwanderer befinden, kam es ebenfalls zu Rassenkrawallen. Bei Plünderungen und Zusammenstößen zwischen Weißen und muslimischen Einwanderern gab es 8 Verletzte. Bereits 1995 entstand in Bradford bei dreitägigen Rassenunruhen ein Sachschaden von 1 Million Pfund. In Berlin-Kreuzberg randalierten arabische Jugendliche, zertrümmerten Telefonzellen und zündeten Autos an.

 

In Berlin-Kreuzberg randalierten, wohl den 1. Mai vorwegnehmend, rund 40 Autonome und errichteten eine Straßensperre aus brennenden Autoreifen. In Eberswalde machte eine weitere Gruppe Jagd auf echte oder vermeintliche "Nazis", was mit sechs Festnahmen durch die Polizei quittiert wurde. Angesichts von mindestens 200 verletzten Demonstranten in den vergangenen beiden Jahren will die AAB zur vorbeugenden Erfassung von Gewalttätern in den Reihen der Polizei schreiten. Zum einen eine vertretbare und gerechtfertigte Maßnahme, auf der anderen Seite jedoch wieder ein Beleg dafür, daß im Grunde ihres Herzens zahlreiche Autonome dem machistischen Mackertum und Überwachungsstaatstendenzen huldigen und am liebsten Bullen geworden wären. Die "revolutionäre Maidemo" steht mittlerweile jedoch in der Kritik auch von links. Viele Autonome wollen sich nicht mehr von der parakommunistischen Antifaschistischen Aktion vereinnahmen lassen und bespötteln das alljährliche Gewaltritual als "Mai-Festspiele", die immer mehr "von Randale-Kiddies und NeurotikerInnen aus ganz Deutschland" genutzt würden.

 

Der sympathische Anarchist Karl Nagel (dessen Kritikpunkte am "Nationalen Widerstand" wie an der "Linken" durchaus vom Verfasser geteilt werden!) zog wieder einmal gegen die authentische Linke zu Felde. Wir wollen Nagels Ausfälligkeiten dem geneigten Leser nicht vorenthalten und hoffen, ein paar Denkanstöße zu geben: "Ja, das ist eine tolle Nische, eine edle Rolle, in die sich die ‚Linke' da zurückgezogen hat: Sie steht für eine ‚irgendwie' bessere Welt, so aus dem Bauch raus, ohne Grund, ohne Boden. Und schuld an allem sind immer Nazis, Bullen und der Kapitalismus ganz allgemein! Bei einem aus derart weicher Birne herausquillenden Weltbild ist es kaum möglich, über politische Perspektiven zu streiten. Es bleibt eigentlich nur noch polit-religiöses Gequatsche mit all seinen Dämonen, Beschwörungen, Ritualen, Tabus und Todsünden.
In ihrem Siechtum fürchtet die heutige Linke nichts mehr als Veränderung. Veränderung, das heißt für die Linke, noch mehr Boden zu verlieren in einer Gesellschaft, die mit dem Untergang der DDR den ‚endgültig letzten Beweis' geliefert haben will, daß es keine Alternative zum Kapitalismus gibt und diesen ‚Beweis' der Linken bei jeder sich bietenden Gelegenheit mit spöttischem Grinsen um die Ohren schlägt.
Also hockt man im linken Ghetto und will einfach nur in Ruhe gelassen werden - nicht ohne sich zum ständig moralisierenden Klugscheißer der Nation aufzuspielen! Frieden, Freiheit, Doppelpaß! Oder, wie die Autonomen es archaischen Volksstämmen so gerne gleich tun, in aller Öffentlichkeit und in voller Montur mit wildem Geschrei und ritualisiertem Kriegsspiel die eigene Wehrhaftigkeit und Gefährlichkeit zu unterstreichen. Aber so sind die jungen Indianer eben. Das gibt sich mit der Zeit...
Und weil sie alle außer linkem Friedenswillen bei gleichzeitiger militanter Drohgebärde (erinnert irgendwie an die damalige NATO-Abschreckungsstrategie...) NICHTS als platten, reaktionären Konservatismus zu bieten haben, marschieren sie sofort zur Front, wenn es gilt, sich als ‚Verteidiger der Zivilisation' gegen ‚Barbarei' und ‚Faschismus' zu ‚wehren'. Nun, auf diese Weise fällt es wenigstens nicht so auf, daß es gerade diese ‚Zivilisation' ist, die in barbarischer Brutalität den Planeten in ein Schlachthaus verwandelt hat. Mit den ‚Nazis' als mit allen Mitteln zu bekämpfenden Erzfeinden fällt es den Vertretern der ‚Zivilisation' dann leicht, die Linke auch gleich noch die neue Weltordnung mit verteidigen zu lassen. Eine Weltordnung, der im Zuge der Globalisierung Begriffe wie ‚Heimat', ‚Nation', ‚Gemeinschaft' oder ‚Solidarität' natürlich nur hinderlich sind und diese am liebsten als überholt, barbarisch oder am besten FASCHISTISCH brandmarken möchte.
Die Linke und eben NICHT die radikale Rechte als Kettenhund der Mächtigen - das hätte man sich früher auch nicht träumen lassen! Eine Linke, die wie ferngesteuert Vereinzelung, Völkerwanderung und eine gnadenlose Amerikanisierung der regionalen Kulturen zumindest legitimiert, weil eben alles andere als - na, wie heißt das Zauberwort? - FASCHISTISCH gilt!
Also: McDonald's ist zwar ‚irgendwie' scheiße, weil Scheiß Kapitalismus und so (Abholzung der Regenwälder für Rindviecher etc.), aber wenn es den Rechten jemals einfallen sollte, etwas gegen die ‚Amerikanisierung der deutschen Eßkultur' zu unternehmen, dann steht die Antifa Seit' an Seit' mit der deutschen Polizei vor McDonalds, um den armen Multi vor besagten ‚Barbaren' zu schützen. So einfach geht das! Wetten?
Diese unglaubliche Fähigkeit des ‚Systems', nicht nur linke Aktivisten wie Marionetten ganz nach Bedarf zu instrumentalisieren, sondern mit ein paar billigen Taschenspielertricks sogar ursprünglich linke Wertvorstellungen und Ziele für sich einzusacken oder gar noch in klingende Münze umzuwandeln, ist im übrigen nicht neu. Schon lange hat die politische Linke sich in eine unheilvolle Schicksalsgemeinschaft mit den Vorkämpfern und Profiteuren dieser neuen ‚Weltkultur' begeben und wird dafür mit großzügig tolerierten Nischen und Reservaten belohnt. Und dort darf man auch mal die Sau rauslassen - wenn man's bitteschön nur nicht zu toll treiben möge!
Und so hat die Linke zwar beim Zerschlagen traditioneller Wurzeln, Werte und Gefühle vortreffliche Arbeit geleistet; gleichzeitig war sie aber nie in der Lage, die erworbenen Freiheiten vor der Verwurstung und Pervertierung durch Mainstream und Geldmaschinerie zu schützen.
(...)
Ja, die Linke hat in den vergangenen 35 Jahren prima all denen zugearbeitet, die ALLES in eine Ware verwandeln wollen!
He
rausgekommen ist dabei in erster Linie, daß die von Hemmungen und Bindungen aller Art befreiten Menschen einsamer, neurotischer, rücksichtsloser und teilweise auch gewalttätiger geworden sind. Insofern ist die Linke - wenn auch sicher ungewollt - Verbündete bei Globalisierung, Entwurzelung, Verrohung und Entsolidarisierung der Gesellschaft gewesen. Und ist es immer noch!"

 

 

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