Politische Theorie

 

Klassenkampf von Oben - NPD als Handlanger der Kapitalisten


von Olof Rheden

(Zum „Deutsche Stimme“-Artikel „1960 geköpft - heute beschenkt“, Ausg. Nr. 3, März 2005, S. 8)


Dass es sich um Sozialdemagogie handelt, wenn die NPD behauptet, für einen Sozialismus einzutreten, ist in den letzten Monaten von Sozialisten immer wieder betont worden. Nicht anders verhält es sich übrigens beim Spektrum, welches man im weiteren Sinne als „BRD-Nationalsozialismus“ bezeichnen kann, mag es sich noch so in antikapitalistischen Posen gefallen.

Der obige „DS-Artikel“ bestätigt das mal wieder auf eindrucksvolle Weise. In einer Zeit, da sich die arbeiterverräterische SPD anschickt, gemeinsam mit CDU, Grünen und PDS die Rechte und die Lebensqualität der Besitzlosen immer weiter einzuschränken, erweist sich die NPD in ihren Forderungen und Standpunkten als ein turbokapitalistischer „Stahlhelm-Flügel der rechten Reaktion.

Als erstes lässt sich der anonyme bürgerliche Schreiber darüber aus, wie schlimm doch steigende Arbeitslosenzahlen seien. Da fragt man sich unwillkürlich, für wen eigentlich? Und warum? Produzieren nicht infolge des wissenschaftlich-technischen Fortschritts weniger Menschen denselben oder sogar mehr gesellschaftlichen Reichtum, also vorher? Ist es nicht logisch, dass eine Maschine drei Arbeiter von nervtötender Arbeit befreit, aber viel mehr als diese drei produziert? Haben wir es also, erst einmal, bei der Arbeitslosigkeit mit einer positiven Sache zu tun?

Ja, das haben wir, werden viele klar denkende Menschen dem arbeitsbekloppten Einheizchor von MLPD bis NPD zurufen wollen, um die Frage hinterher zu schmettern, warum denn dieser immense Reichtum nicht gerecht verteilt wird, und, wenn man denn Vollbeschäftigung, für alle Arbeitsfähigen, will, warum man dann nicht die vorhandene sinnvolle Arbeit gerecht aufteilt.

Doch das wird nicht passieren. Der Kapitalist braucht eine Reserve-Armee aus Arbeitslosen, um Löhne zu drücken und die Gewerkschaften unter Druck zu setzen. Eine Arbeitszeitsenkung etwa bei vollem Lohnausgleich, damit alle Arbeit haben, kommt deshalb nicht in Betracht. Im Übrigen will der Kapitalist seine Lohnsklaven nicht zu sehr verwöhnen, sondern knechten, in ständiger Angst und Abhängigkeit halten. Deshalb bleibt es bei 40 Arbeitsstunden die Woche aufwärts, bei immer mehr fallenden Löhnen und steigenden Preisen. Die Verelendung nimmt zu, und die Profite steigen.

Der Hauptschuldige steht für die NPD fest: Nicht die kapitalistische Marktlogik und Verwertungsmaschinerie samt dazugehörigen bürgerlichem Staat, nicht die Eigentumsverhältnisse, sondern die Gewerkschaften sind Schuld. Sie haben die wunderschön „sozialpartnerschaftliche Volksgemeinschaft“ der Nachkriegs-BRD kaputtgemacht. Zitat:

Doch das Bündnis aus Arbeitgebern, Gewerkschaften und Staat funktionierte nicht so, wie erwartet. Die Gewerkschaften fürchteten eine Beschneidung der Tarifautonomie. Dieser dann nicht eingetretene Machtverlust der Gewerkschaften sollte sich in den kommenden Jahren durch irrwitzige Aktionen als mitverantwortlich für steigende Arbeitslosenzahlen erweisen.“

Soso, nicht die Automatisierung setzte Arbeitskräfte frei, was ja nur im Kapitalismus etwas Schlechtes ist, wie oben erwähnt, sondern die bösen Gewerkschaften mit ihren „irrwitzigen“ Lohnforderungen …

In der überhitzten Konjunktur setzten Gewerkschaften zu Beginn der 70er Jahre zum Teil zweistellige Lohnerhöhungen durch. Über alle Konjunkturzyklen hinweg hat sich die Arbeitslosigkeit unaufhaltsam in die Höhe geschraubt. Gründe hierfür: Wahnwitzige Gewerkschaftsforderungen …

Das ist natürlich eine Frechheit für den Kapitalisten und die „nationalsozialistische“ NPD, dass der Arbeiter von den astronomischen Profiten seines Ausbeuters einen winzigen Bruchteil mehr in seiner Lohntüte wieder finden wollte. Selbst bürgerliche Sozialreform ist den Reaktionären ein Dorn im Auge.

Aber auch der herrschende Wachstumswahn, eine Folge des logischen Strebens des Kapitalisten nach Profitmaximierung, ist in der obrigkeitlichen Denke der NPD-Intelligenz stets als Leitbild vorhanden. „Wachsen“ dürfen jedoch nur die Profite, nicht die Löhne, denn das wäre ja „irrwitzig“ oder „wahnwitzig“:

Das Wachstum hielt mit dieser Entwicklung nicht Schritt. Die Zuwachsraten waren zu niedrig, um ausreichend neue Arbeitsplätze zu schaffen.“

Man ist offenbar total verblödet, verrichtet kapitalistische Lobbyarbeit, oder will sich einfach nur der „nationalen“ Industrie anbiedern, indem man dem Arbeitsfetischismus das Wort redet, gegen Lohnerhöhungen hetzt und die Ursachen des Elends damit verschleiert. Und ganz vorne mit dabei die NPD und ihr publizistisches „Flaggschiff“, die „Deutsche Stimme“.

Nichts an dieser Partei ist sozialistisch, ebenso wenig wie am historischen Nationalsozialismus, das weiß auch jeder „nationale Sozialist“ in der „Nationalen Volksfront“. Es geht darum, Leimruten auszulegen, um frustrierte und antikapitalistisch gesinnte Wahlbürger einzufangen. Als deutscher Sozialist kann man nicht oft genug darauf hinweisen.

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